Blogthema: Welche Zahnpasta?

Der „RDA-Wert“ und wieso „sanft“ bei einer Zahnpasta nicht immer „zahnschonend“ bedeutet.

Das Bild zeigt eine Zahnpastatube, eine Zahnbürste mit Holzgriff und Zahnpasta auf den Borsten dekoriert mit drei kleinen Minzblättern.

Die Zahnpasta hat vielfältige Aufgaben. Neben einem frischen Atem und der Vorbeugung von Karies und Zahnfleischentzündungen soll sie vor allem Zähne gründlich reinigen!

Damit das gelingt, enthalten Zahncremes winzige Putzkörper, die dabei helfen Zahnbelag, Speisereste und Bakterien zu entfernen.

Dabei können die Putzteilchen in der Zahnpasta – gerade bei sogenannten aufhellenden Zahnpasten – auch einen Teil des Zahnschmelzes abtragen. Dieser Vorgang wird Abrasion genannt. Die Stärke der Abrasivität einer Zahncreme wird durch den RDA-Wert angegeben. Dieser steht für die sogenannte Relative Dentin Abrasion.

Wie wird der RDA-Wert gemessen?

Im Labor wird unter standardisierten Bedingungen die Reinigungsleistung einer Zahnpasta im Vergleich zu einem Referenzwert getestet. Daher steht das R häufig für die relative Dentinabrasion. 

Aussagekraft des RDA-Werts

Obwohl der RDA-Wert die wohl bekannteste Maßeinheit für die Reinigungsleistung einer Zahncreme ist, ist er nicht ganz unkritisch zu sehen und leider auch nicht auf jeder Tube zu finden. Eine gesetzliche Pflicht zur Angabe des RDA-Wertes gibt es nicht. Die Deklaration ist freiwillig und wird von den Herstellern unterschiedlich gehandhabt.

Ein ca. 6 jahre altes Mädchen putzt sich mit einer bunten Zahnbürste die Zähne.Der größte (offizielle) Kritikpunkt am RDA-Wert ist jedoch, dass sich die Ergebnisse aus dem Labor nicht direkt auf die tägliche Anwendung übertragen lassen. Viele weitere Effekte, wie die Art der Zahnbürste oder der Druck, der beim Zähneputzen ausgeübt wird, haben ebenfalls einen Einfluss auf den Abrieb1. Auch wird der RDA-Wert an Dentin gemessen, was nicht direkt auf die Abrasion an Zahnschmelz übertragbar ist. Dies wird von vielen Firmen daher auf Nachfrage auch als Grund genannt, weshalb sie auf die Nennung des RDA-Wertes ihrer Zahnpasta „verzichten“.

Zahlreiche Studien belegen jedoch eindeutig einen bedeutsamen Zusammenhang zwischen den RDA-Werten und dem von einer Zahnpasta verursachten und damit auch beeinflussbaren Abrieb der Zahnsubstanz. 

Daher ist der RDA-Wert unserer Meinung nach definitiv bedeutsam und sollte auf jeder Packung für den Verbraucher/die Verbraucherin leicht erkennbar sein. Je höher der RDA-Wert, desto höher ist die Abrasivität der Zahnpasta und damit der Dentin-Abrieb. Die RDA-Skala lässt sich einteilen in:

  • unter 30: 
    sehr gering abrasiv mit geringer Reinigungsleistung
    • auch für Baby-Zahncremes geeignet

  • 30 bis 50: 
    wenig abrasiv bei gutem Verhältnis zwischen Abrieb und Reinigungswirkung
    • für die tägliche Zahnpflege (auch der Milchzähne) geeignet

  • 50 bis 80: 
    mittel abrasiv bei gutem Verhältnis zwischen Abrieb und Putzleistung
    • für die tägliche Anwendung von Zahncremes für Erwachsene geeignet

  • über 100:
    sehr stark abrasiv bspw. in Zahnpasta für „weiße“ Zähne, für „natürliches“ Zahnweiß, „sanftes“ Zahnweiß u.ä. 
    • keinesfalls für den Dauergebrauch geeignet, ebenso verursacht durch Bimsstein oder auch Aktivkohle in selbstgemachten Pasten.

Zusammenfassend kann man sagen, daß der Wert bei einer Zahncreme für die tägliche Anwendung bei Erwachsenen zwischen 30 und 70 liegen sollte. Bei Werten unter 30 ist die Reinigungswirkung für den gesunden Zahn zu schwach und Plaque wird kaum ausreichend entfernt. Bei Werten über 80 ist die Zahnpasta stark abrasiv und könnte den Zahnschmelz bei zu häufiger Nutzung schädigen.

Das Bild zeigt die Zähne eines Mannes mit sichtbaren Zahnhals-Defekten.

In Europa sind Zahnpasten sogar mit einem RDA-Wert bis zu 250 zulässig. Eine Zahnpasta mit einem derart hohen Abrieb ist definitiv zu vermeiden und die meisten in Deutschland verfügbaren Produkte sind zum Glück deutlich weniger abrasiv.

Dennoch stellt man sich die Frage, weshalb nicht auf jeder Tube der RDA-Wert erwähnt ist? Ebenso zu denken gibt es uns, wenn z.B. eine Zahnpasta laut Hersteller „schonend zu den Zähnen und das natürliche Zahnweiß zum Vorschein bringend“ sei und dabei jedoch RDA-Werte von z.B. über 110 festgestellt werden. Von Schonung kann hier wahrlich nicht mehr die Rede sein. 

Auch irreführende Nutzung von Beschreibungen wie „natürliches Weiß“, „schonend“, „natürliche Kraft der Kräuter“ könnte nur durch eine verpflichtende Erwähnung des RDA-Wertes ins „rechte Licht“ gesetzt werden und dem/der Verbraucher/in bei der Wahl der für ihn/sie geeignetsten Zahnpasta helfen.

Der RDA-Wert allein ist wie bereits erwähnt nicht unbedingt ausschlaggebend, ob die Zahnsubstanz geschädigt wird – es hängt auch von individuellen Faktoren ab:

  • Zahnbürste: 
    Je nachdem, ob Sie eine Zahnbürste mit weichen oder harten Borsten verwenden, sollten Sie eine Zahncreme mit passendem RDA-Wert wählen. Eine Zahnbürste mit harten Borsten trägt ebenfalls zu einer erhöhten Abrasion bei. Bei der Verwendung von elektrischen Zahnbürsten genügt in der Regel eine Zahncreme mit einem geringen bis mittleren RDA-Wert. Auf eine Kontrolle des Anpressdrucks (wie stark drücken Sie die Zahnbürste auf die Zähne beim Putzen) sollte hier auf jeden Fall geachtet werden. Dieser sollte visuell oder haptisch vorhanden sein.

  • Zahnputztechnik: 
    Auch wie die Zähne geputzt werden kann Einfluss darauf haben, ob Zahnschmelz zusätzlich abgetragen wird. Die Zähne sollten vor allem sanft geputzt und horizontale Bewegungen vermieden werden, um Zahn und Zahnfleisch zu schonen. Eltern sollten bei ihren Kindern auf die richtige Zahnputztechnik achten.

  • Zustand der Zähne:
    Schmerzempfindliche Zähne oder freiliegende Zahnhälse sind ein Zeichen dafür, dass der Zahnschmelz bereits geschädigt ist. Hier sind Zahncremes mit einer niedrigeren Dentinabrasion empfehlenswert. Auch bei Patienten, die mit den Zähnen knirschen (Bruxismus) wird die Zahnsubstanz in Mitleidenschaft gezogen und sollte besonders schonend gereinigt werden.

  • Milchzähne: 
    Der Zahnschmelz von Milchzähnen ist nur halb so dick, wie der von bleibenden Zähnen. Daher sollten Zahnpasten für Kinder ebenfalls einen eher niedrigen RDA-Wert haben.

Auch weitere Bestandteile einer Zahnpasta können unliebsame Nebeneffekte haben:

Als Beispiel sei hier Titandioxid erwähnt, das in Lebensmitteln bereits verboten, in manchen Zahnpasten aber noch enthalten ist. Dies kann bei Verschlucken zu Magen-Darm-Reizungen führen und auch Schübe bei Morbus Crohn auslösen. Daher sind für Kinder und auch an Demenz erkrankte Menschen Zahnpasten ohne Titandioxid zu empfehlen.

Gerne beraten wir Sie individuell, welche Zahnpasta für Sie am geeignetsten wäre, um Ihre Zähne bestmöglichst lange und gesund zu erhalten.

 

Der „RDA-Wert“ und wieso „sanft“ bei einer Zahnpasta nicht immer „zahnschonend“ bedeutet.

Das Bild zeigt eine Zahnpastatube, eine Zahnbürste mit Holzgriff und Zahnpasta auf den Borsten dekoriert mit drei kleinen Minzblättern.


Die Zahnpasta hat vielfältige Aufgaben. Neben einem frischen Atem und der Vorbeugung von Karies und Zahnfleischentzündungen soll sie vor allem Zähne gründlich reinigen!

Damit das gelingt, enthalten Zahncremes winzige Putzkörper, die dabei helfen Zahnbelag, Speisereste und Bakterien zu entfernen.

Dabei können die Putzteilchen in der Zahnpasta – gerade bei sogenannten aufhellenden Zahnpasten – auch einen Teil des Zahnschmelzes abtragen. Dieser Vorgang wird Abrasion genannt. Die Stärke der Abrasivität einer Zahncreme wird durch den RDA-Wert angegeben. Dieser steht für die sogenannte Relative Dentin Abrasion.

Wie wird der RDA-Wert gemessen?

Im Labor wird unter standardisierten Bedingungen die Reinigungsleistung einer Zahnpasta im Vergleich zu einem Referenzwert getestet. Daher steht das R häufig für die relative Dentinabrasion. 

Aussagekraft des RDA-Werts

Obwohl der RDA-Wert die wohl bekannteste Maßeinheit für die Reinigungsleistung einer Zahncreme ist, ist er nicht ganz unkritisch zu sehen und leider auch nicht auf jeder Tube zu finden. Eine gesetzliche Pflicht zur Angabe des RDA-Wertes gibt es nicht. Die Deklaration ist freiwillig und wird von den Herstellern unterschiedlich gehandhabt.

Ein ca. 6 jahre altes Mädchen putzt sich mit einer bunten Zahnbürste die Zähne.
Der größte (offizielle) Kritikpunkt am RDA-Wert ist jedoch, dass sich die Ergebnisse aus dem Labor nicht direkt auf die tägliche Anwendung übertragen lassen. Viele weitere Effekte, wie die Art der Zahnbürste oder der Druck, der beim Zähneputzen ausgeübt wird, haben ebenfalls einen Einfluss auf den Abrieb1. Auch wird der RDA-Wert an Dentin gemessen, was nicht direkt auf die Abrasion an Zahnschmelz übertragbar ist. Dies wird von vielen Firmen daher auf Nachfrage auch als Grund genannt, weshalb sie auf die Nennung des RDA-Wertes ihrer Zahnpasta „verzichten“.

Zahlreiche Studien belegen jedoch eindeutig einen bedeutsamen Zusammenhang zwischen den RDA-Werten und dem von einer Zahnpasta verursachten und damit auch beeinflussbaren Abrieb der Zahnsubstanz. 

Daher ist der RDA-Wert unserer Meinung nach definitiv bedeutsam und sollte auf jeder Packung für den Verbraucher/die Verbraucherin leicht erkennbar sein. Je höher der RDA-Wert, desto höher ist die Abrasivität der Zahnpasta und damit der Dentin-Abrieb. Die RDA-Skala lässt sich einteilen in:

  • unter 30: 
    sehr gering abrasiv mit geringer Reinigungsleistung
    • auch für Baby-Zahncremes geeignet

  • 30 bis 50: 
    wenig abrasiv bei gutem Verhältnis zwischen Abrieb und Reinigungswirkung
    • für die tägliche Zahnpflege (auch der Milchzähne) geeignet

  • 50 bis 80: 
    mittel abrasiv bei gutem Verhältnis zwischen Abrieb und Putzleistung
    • für die tägliche Anwendung von Zahncremes für Erwachsene geeignet

  • über 100: 
    sehr stark abrasiv bspw. in Zahnpasta für „weiße“ Zähne, für „natürliches“ Zahnweiß, „sanftes“ Zahnweiß u.ä. 
    • keinesfalls für den Dauergebrauch geeignet, ebenso verursacht durch Bimsstein oder auch Aktivkohle in selbstgemachten Pasten.

Zusammenfassend kann man sagen, daß der Wert bei einer Zahncreme für die tägliche Anwendung bei Erwachsenen zwischen 30 und 70 liegen sollte. Bei Werten unter 30 ist die Reinigungswirkung für den gesunden Zahn zu schwach und Plaque wird kaum ausreichend entfernt. Bei Werten über 80 ist die Zahnpasta stark abrasiv und könnte den Zahnschmelz bei zu häufiger Nutzung schädigen.

Das Bild zeigt die Zähne eines Mannes mit sichtbaren Zahnhals-Defekten.

In Europa sind Zahnpasten sogar mit einem RDA-Wert bis zu 250 zulässig. Eine Zahnpasta mit einem derart hohen Abrieb ist definitiv zu vermeiden und die meisten in Deutschland verfügbaren Produkte sind zum Glück deutlich weniger abrasiv.

Dennoch stellt man sich die Frage, weshalb nicht auf jeder Tube der RDA-Wert erwähnt ist? Ebenso zu denken gibt es uns, wenn z.B. eine Zahnpasta laut Hersteller „schonend zu den Zähnen und das natürliche Zahnweiß zum Vorschein bringend“ sei und dabei jedoch RDA-Werte von z.B. über 110 festgestellt werden. Von Schonung kann hier wahrlich nicht mehr die Rede sein. 

Auch irreführende Nutzung von Beschreibungen wie „natürliches Weiß“, „schonend“, „natürliche Kraft der Kräuter“ könnte nur durch eine verpflichtende Erwähnung des RDA-Wertes ins „rechte Licht“ gesetzt werden und dem/der Verbraucher/in bei der Wahl der für ihn/sie geeignetsten Zahnpasta helfen.

Der RDA-Wert allein ist wie bereits erwähnt nicht unbedingt ausschlaggebend, ob die Zahnsubstanz geschädigt wird – es hängt auch von individuellen Faktoren ab:

  • Zahnbürste: 

    Je nachdem, ob Sie eine Zahnbürste mit weichen oder harten Borsten verwenden, sollten Sie eine Zahncreme mit passendem RDA-Wert wählen. Eine Zahnbürste mit harten Borsten trägt ebenfalls zu einer erhöhten Abrasion bei. Bei der Verwendung von elektrischen Zahnbürsten genügt in der Regel eine Zahncreme mit einem geringen bis mittleren RDA-Wert. Auf eine Kontrolle des Anpressdrucks (wie stark drücken Sie die Zahnbürste auf die Zähne beim Putzen) sollte hier auf jeden Fall geachtet werden. Dieser sollte visuell oder haptisch vorhanden sein.

  • Zahnputztechnik:

    Auch wie die Zähne geputzt werden kann Einfluss darauf haben, ob Zahnschmelz zusätzlich abgetragen wird. Die Zähne sollten vor allem sanft geputzt und horizontale Bewegungen vermieden werden, um Zahn und Zahnfleisch zu schonen. Eltern sollten bei ihren Kindern auf die richtige Zahnputztechnik achten.

  • Zustand der Zähne:

    Schmerzempfindliche Zähne oder freiliegende Zahnhälse sind ein Zeichen dafür, dass der Zahnschmelz bereits geschädigt ist. Hier sind Zahncremes mit einer niedrigeren Dentinabrasion empfehlenswert. Auch bei Patienten, die mit den Zähnen knirschen (Bruxismus) wird die Zahnsubstanz in Mitleidenschaft gezogen und sollte besonders schonend gereinigt werden.

  • Milchzähne:

    Der Zahnschmelz von Milchzähnen ist nur halb so dick, wie der von bleibenden Zähnen. Daher sollten Zahnpasten für Kinder ebenfalls einen eher niedrigen RDA-Wert haben.

Auch weitere Bestandteile einer Zahnpasta können unliebsame Nebeneffekte haben.

Als Beispiel sei hier Titandioxid erwähnt, das in Lebensmitteln bereits verboten, in manchen Zahnpasten aber noch enthalten ist. Dies kann bei Verschlucken zu Magen-Darm-Reizungen führen und auch Schübe bei Morbus Crohn auslösen. Daher sind für Kinder und auch an Demenz erkrankte Menschen Zahnpasten ohne Titandioxid zu empfehlen.


Gerne beraten wir Sie individuell, welche Zahnpasta für Sie am geeignetsten wäre, um Ihre Zähne bestmöglichst lange und gesund zu erhalten.

 

Vormittags:

Mo, Di, Mi, Do:
08:00 bis 12:00 Uhr

Nachmittags:

Mo, Di, Do:
12:00 bis 18:00 Uhr

Dr. Tanja Wagner

Weberstr. 9
76133 Karlsruhe